Dienstag, April 11, 2006

TA-ROOM

Zwischen dem täglichen Unterrichten und dem heutigen Talk von B.V. ist dann doch noch sehr viel mehr Zeit als ich gedacht habe. Mittagessen mit E.S., dann verstohlenes intimes Beisammensein auf dem Campus mit A., die dann aber ins Seminar muss, ich also Zeit habe, den Text weiter zu lesen, den ich gestern Abend gegen Mitternacht vorm Schlafen noch begonnen habe und nur ungern beiseite legte. Nachkarten von R.H., noch nicht erschienen, aber E., der gerade zu Besuch ist (siehe jumpcutblog) hat so davon vorgeschwärmt, dass ich ihm den Ausatz abgeschwatzt habe, was R. hoffentlich nicht übel nimmt. Ich habe auf dem Campus gesessen und gelesen und laut lachen müssen, über Sepp (G.) und Luhmann und die Kartoffel und vieles mehr und dann ging der Text viel zu schnell zu Ende. Heute morgen haben E. und ich uns eine Audiovorlesung von diesem Sepp angehört, die neben den dort abgelichteten Photos zu den Repräsentations-Highlights wissenschaftlicher Klasterexzellenzen gehoert. Hier der Link: Sepp

In den letzten Wochen bin ich wiederholt mit Gegenwartsliteratur in Berührung gekommen. Auf einer Konferenz in Virginia habe ich das erste Mal von Ingo Schulze gehört. Ein Vortrag über 33 Augenblicke des Glücks mit Zizek gelesen, wos um Repräsentation von Gewalt und als Gewalt ging. Und ein paar Wochen später fand ich mich auf einer Konferenz in New York in einem Panel wieder, das den Titel trug "Narratives of Disorder", wo ich was über das 19. Jahrhundert redete (unter obigem Sepp-Link findet sich auch hierzu ein wunderbar amüsanter Kommentar) und mich gesandwiched sah zwischen zwei talks über Ingo Schulze. Und seitdem frage ich Leute, ob sie den kennen und tatsächlich ist er den meisten ein Begriff. Dabei dachte ich zunächst es handele sich bei Ingo Schulze um so ein Sebald-Phänomen. Ein deutschsprachiger Autor, der erst über amerikanische Literaturwissenschaftsdebatten Bekanntheit erlangt. Eben so wie Sebald oder Walter Benjamin ... aber gut, lassen wir das. Ich gehe jetzt zumindest in die library, um mich auf den gegenmwärtigen Stand der gegenwärtigen Literatur zu bringen, der gegenwärtig Ingo Schulze zu heißen scheint.

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Samstag, April 08, 2006

HEUTE MORGEN

Heute morgen war es gegen 6 oder kurz danach, als A. aufwachte und ich kurz darauf, als es im Papierkorb neben meinem Schreibtisch, ein paar Schritte entfernt von meinem Bett, zu rascheln schien und dann lauter wurde und es sich bestätigte. Eine Maus, jetzt auch oben im Haus, nicht mehr nur unten, im Basement oder der Küche, wo wir in den letzten vier Monaten schon 8 gefangen haben - zwei pro Monat. Jetzt auch oben im Zimmer und in meinem Papierkorb. Eine Plastiktüte aus der Küche holen, diese über den Eimer stülpen und dann alles weg, das der Vorschlag und Plan. Aber die Maus zappelt dann noch, also was dann? Das ist doch komisch, wenn die dann noch zappelt. Hmm. Trotzdem, Plan ist Plan. Aber zu spät. Die Maus nimmt Anlauf, es raschelt und ... sie springt. Jetzt fliegt eine Maus durch mein Zimmer und verschwindet irgendwo in der Wand. Bisher ist nichts mehr passiert, alles ruhig an der Zimmerfront, wo ich hartes Geschütz auffahre. Eine Falle zum Zuschnappen, bestrichen mit meiner Lieblingserdnussbutter. A. ist wieder zuhause, um noch zwei oder drei Stunden zu arbeiten, wie sie sagt. Und ich bin mit J.s Ford Bronco einkaufen gefahren und habe den Grill bei C. abgeholt. Auch C. arbeitet, weil sie gerade mal einen der wenigen Momente dafür hat, die man sehr selten hat, wenn man sich um sein Kind kümmern muss. Ich überlege, dass ich auch arbeiten will. Aber das habe ich auch in der letzten Zeit immer wieder gemacht. Und nun ist wiede einer dieser Momente, wo man keinen direkten Druck mehr hat. Keine Konferenz, für die ein Talk noch fertig werden muss, keine deadline, bzw. nur welche, die noch so weit entfernt sind, dass sie noch nicht interessante und dringend genug sind. Endlich habe ich hier den Film über Fritz Haarmann bekommen, den ich immer sehen wollte. Der Totmacher mit Götz George, von dem ich viel halte, seit ich ihn neulich in einem Fernsehspiel mit J., P. und A. in Hamburg sah. Der Totmacher heisst auf Englisch The Deathmaker. Gleich muss ich J. mit seinem Bronco vom Flughafen BWI abholen. Er kommt aus Texas, wo er auf einer Konferenz über The Other gewesen ist. Neulich waren wir gemeinsam auf einer Konferenz in Virginia zum Thema Deviant Bodies. Der Körper und der Andere sind die beiden kulturwissenschaftlichen Themen mit denen ich nichts zu tun haben will. Ich kann damit nichts anfangen, am Schlimmsten ist der Körper des Anderen und schimmer eigentlich noch der andere Körper. Meiner macht mir schon Probleme genug. Leute, die über den Körper und den Anderen reden (den man seitdem nun auch groß schreibt!) nehmen sich und das, was sie machen, viel zu ernst. J. ist nun erst auf der Körper und dann auf der Der-Andere-Konferenz gewesen und es geschieht ihm recht, dass das an seinem 23ten Geburtstag passiert, den wir nachher hier feiern. Und dann fahre ich um 1 Uhr nachts noch einmal nach BWI und hole E. ab, der gerade von R. aus Minneapolis kommt und über Atlanta fliegt, was mich irgendwie wundert. Und noch mehr wunderts mich, dass die schon heute mittag wussten, dass die Maschine eine halbe Stunde Verspätung haben wird. Aber es ist immerhin gut informiert zu werden.
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Montag, Dezember 26, 2005

Was ist das fürn Krach

Frohes Fest! Frohe Weihnachten. Beschaulich ists und ruhig nachts um zwei in meinem alten Zimmer unterm Dach im elterlichen Haus nordwestlich von Bielefeld. Wir haben uns gewundert, dass wir nach so langer Zeit noch immer die Wege kennen, zum Sounds, zum Kamp und auch wieder nach Hause. Zurück im alten Europa kommt es mir gar nicht mehr so vor, als könnte ich hier irgendetwas verpassen, kommt es mir gar nicht so vor, als sei das hier irgendwie älter und insgesamt kultureller. Verpasst hat man hier schon genauso viel und als man jung war, die gleichen Auswege gefunden und als man dann älter war, ist man mit dem Strom mitgegangen und dahin gezogen, wo man es sich so viel aufregender vorgestellt hat. Und wahrscheinlich war es das auch. Die Aufregung hat sich jetzt eher gelegt und es bleibt wohl dabei, dass ich mich überall wo ich nicht bin, besser aufgehoben fühle. Trotzdem war es schön, gerade ein paar Leute wiederzusehen, an die ich selten denke, von denen ich ab und zu was lese und mit denen mich dann doch recht viel verbindet. Erste Weihnachsfeiertage und jetzt, da ich das schreibe, fällt mir auch ein, dass ich mich eben gefreut habe, MB zu sehen und dabei vergessen habe, ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Das sei hier nachgeholt: Herzlichen Glückwunsch. Damit verbunden die Erinnerung an eine Fahrt vor genau 11 Jahren von Bielefeld ins Forum Enger im Opel Corsa meiner Mutter zusammen mit Sebastian. Dort hat Sebastian Bernd Begemann dann eine Kassette zu Weihnachten geschenkt mit einem Weihnachtslied, das wir vorher aufgenommen hatten. Erinnerst Du Dich? Ich wünsche Dir einen schönen Geburtstag!
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Dienstag, November 01, 2005

Unbekannter Mann mit Schnurrbart auf Brooklyn-Bridge

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Freitag, Oktober 14, 2005

Frodos Abenteuer in der Ukraine

Was mir am besten an Jonathan Safran Foers Buch "Everything is Illuminated" gefallen hat, dass es mir auf einer vierstündigen Busfahrt von Hamburg nach Berlin - noch immer benommen - die Landschaft erspart hat. Briefe aus der Ukraine nach New York, aus New York in die Ukraine und immer wieder bricht ein Erzählstrang ab, da wo es spannend wird, kaum wieder gewöhnt an den neuen Rhythmus, die neue Geschichte, einen neuen Erzähler, schon wieder. Immer zwischen Geschichten und immer zwischen Geschichte und auf eine gute Art davon umgeben. Das ist das Angenehme dieses Buches on the road Richtung Berlin. Das Gegenteil davon irgendwie, nicht zielgerichtet, nicht ankommend und ankommend nicht da sein, denn wenn du weißt wo du hinwillst, musst du gar nicht erst weggehen, und darfst dich nicht wundern, wenn du überall ankommst. Das Buch gibts jetzt auch als Film, für alle die so klug sind, nicht mehr zu lesen. Was hier vollkommen unironisch mal geschrieben sei für alle die das lesen. Aus einem Buch, das auch davon handelt, dass Leute in einem alten klapprigen osteuropäischen Auto durch die Ukraine fahren auf der Suche nach Ausdruck, Herkunft und einem Wissen, das, wo es mit Erfahrbarkeit zusammentrifft, tödlich enden muss, ist jetzt filmisch als geschlossenes roadmovie zu erleben. Wovor mich das Buch noch bewahrte, hat mich der Film nun unmittelbar ausgesetzt. Anscheinend eignet sich Elijah Woods besonders gut für Literaturverfilmungen. Trotz nerdigem Outfit und einer lächerlich gut aussehenden und zu großen Brille, mit der sich vor ein paar Jahren noch jeder erfolgreiche Neu-Journalist in Berlin als solcher zu erkennen gab, wird er den Frodo nicht los. Als er dann noch einen Ring bekommt, der die Geschichte symbolisch bewahrt, ist alles beim Alten, von den Bergen kommen die Armeen des Guten vor die Tore von Mordor, Fahnen wehen im Wind, ein Meer von Sonnenblumen verspricht das Ende der Geschichte: wir sind angekommen, wir werden nicht vergessen, wir bewahren das Leben in uns und um uns herum ist die Herkunft an ihrem Ziel, in New York City, JFK-airport mit tausend Gesichtern und hinter diesen tausend Gesichtern tausend Geschichten und tausend neue roadmovies, wir sind da, endlich, Amerika. Geschichte wird gemacht.
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Mittwoch, Oktober 12, 2005

8x10: Protest Songs

Wenn Du irgendwann einmal in den USA wohnst, egal in welcher Stadt, und Du bekommst einen Anruf eines Freundes, der sich verfahren hat, Du fragst ihn wo er sei und er sagt auf dem Martin Luther King Jr. Boulevard, gibt es nur einen richtigen Tip, sieh zu dass Du da weg kommst, schau nicht rechts, nicht links und halt um Gottes Willen nicht an! So etwa ging es uns auf dem Weg zum Vergnügen ins Vergnügungsviertel, dass nur einen Block entfernt von einer Gegend liegt, in der man jetzt mal wirklich nicht alleine im Dunkeln spazieren gehen möchte. Doch dann hier wieder nur gut gekleidete Leude, keine Angst mehr, purer reiner Spass Ecke Charles und Cross Street, Federal Hill, unweit des Hafens. Um 8pm ist Einlass im merkürdig kleinen Club, den ich größer erwartet hätte, etwa so wie im alten Forum Enger, wer sich noch daran erinnern kann. Jonathan Richman live, tanzen kann er ja.

Und ein erster Song, den ich als protest song missverstanden habe und der wohl doch nur als love song gemeint war, wenn da nicht diese dunkle Ahnung wäre, dass das vielleicht doch was miteinander zu tun haben könnte:
Have you been to Paris France?
And if you doubt that paris was made for love
Give Paris one more chance
The home of Piaf and Chevalier
Must have done something right to get passion this way
So weit weg von zuhaus gebe ich also Paris noch ne Chance und strafe Baltimore mit Verachtung und Sehnsucht nach Europa. Zurück nehmen wir den sicheren Weg, Charles Street immer geradeaus, 29th rechts ab und schon sind wir wieder im eigenen Ghetto, bald in den eigenen vier Wänden, wieder allein mit der Erfahrungsseelenkunde. Dass jetzt wieder einmal Prefab Sprout läuft, ist auch kein Zufall.
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oysterboys II

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Dienstag, Oktober 04, 2005

oysterboys

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Montag, September 19, 2005

HEUTE ABEND IV

Barbecue-Parties sind großartig. Man bekommt diese unglaublich großen Burger und obwohl man schon Probleme bekommt überhaupt nur den ersten zu schaffen, geht schließlich doch noch ein zweiter und erstaunlicher Weise wird man den ganzen Abend den Gedanken nicht los, vielleicht noch ein drittes Mal zuzuschlagen. Am Ende darf man aus der vollen Badewanne sich noch ein sixpack Bier zusammenstellen und nach Hause nehmen, um auf dem Porch den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Heute fuhr der ice cream man erst um 9pm durch unsere Straße. N. äußerte darauf den Verdacht, er deale nicht nur mit Eis. Was für ein Schock. Die ganze Kindheit versaut. Andererseits ergibt das Lied von Johnathan Richman (siehe Eintrag vom 5. Sept.) dadurch nochmal einen ganz anderen Sinn. Unten sitzt mein Mitbewohner und liest Frege und sagt Sachen wie wer behaupte Heidegger sei einfach, habe ihn nicht gelesen und erst recht nicht verstanden. Es schließt sich eine lange Diskussion über die Erfindung des Objekts an aus der wir am Ende einig hervor- und Schlafen gehen. Ich bekomme noch eine Email die sagt, dass die Kritische Gesamtausgabe von Franz Kafka nur 125 Euro kostet. Auf amazon.com gibt es ein gebrauchtes Angebot derselben Ausgabe für $427,68.
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Sonntag, September 18, 2005

HEUTE GESTERN

Um Punkt 12 verkündet das Erste in meinem Zimmer die erste Wahlprognose. Früher habe ich immer bis 18 Uhr warten müssen. Heute um zwölf Uhr in meinem Zimmer gibt es keine Verlierer. Die CDU ist stärkste Franktion, die SPD ist nur knapp dahinter, die FDP ist drittstärkste Kraft im Lande, die Grünen drin und die Linke, die auf der Grafik – fürs Erste erstaunlich präzise – am äußersten rechten Rand erscheint, ist die zweitstärkste Partei im Osten. Alle sind zufrieden, niemand traurig, alle feiern, lachen, sind ausgelassen und rufen Gert, Guido oder Angie und im Hintergrund spielen wieder die Rolling Stones. Das alles hier um Punkt zwölf in meinem Zimmer, hier, wo die wirkliche wichtigen Entscheidungen getroffen werden. ARD oder ZDF zum Beispiel, oder Genette oder Barthes, oder Kaffee oder Cola, oder wen ich jetzt am besten mal anrufen sollte. Meine Eltern, weil wir uns immer am Telefon streiten sobald die erste Hochrechnung draußen ist, über die Relevanz solcher Entscheidungen, über die Misere der Politik und Deutschland, den Irakkrieg, den EU-Bei- oder Nicht-Beitritt der Türkei, über Bayern und natürlich die Bildungspolitik. Bekanntlich wandert ja die Elite aus, kehrt Deutschland den Rücken, geht in die USA an Elite-Universitäten und kommt niemals zurück. Wenn sich die Bildungspolitik in Deutschland ändert, überdenke ich ja meine Entscheidung vielleicht nochmal. In diese Logik haben sich jedoch zwei kleine, aber relevante Fehler eingeschlichen. Der erste betrifft das Elitäre der Elite (wobei man bei der Elite, die man im Lande zu halten gedenkt, wohl weniger an Literaturwissenschaftler gedacht haben mag). Der zweite kleine Fehler, und vielleicht ist diese Überlegung doch gar nicht mal so falsch, betrifft die Logik, dass es einfacher sei, auf die Politik einzuwirken, um Einfluss auf seine Kinder zu nehmen, als auf diese selbst. Also rufe ich an. Welcome to the Purple Card. Please enter your pin-number now. You have six dollar fiftyfive cents remaining. Please dial now. You have seven hours fourtyfour minutes... Soviel werde ich heute wohl keinesfalls brauchen. Kein Streit, keine bösen Worte, ein Sonntagstelefonat, im Hintergrund höre ich die Ansprache Guido Westerwelles, die etwa 8 Sekunden später auch hier in meinem Zimmer ankommt. Alles ist nett, alles harmonisch, keine Politik heute. Heute freuen sich alle gemeinsam, heute sind alle gleich, denn es ist Wahl: ein Fest für die ganze Familie.
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Montag, September 12, 2005

HEUTE ABEND III

09/11/05 Die Redskins gewinnen gegen die Bears, Dortmund schlägt Köln, Räikkönen siegt in Belgien und unten läuft das Finale der US-Open, Federer gegen Agassi, in Sätzen 2:1. Auf dem Weg zum Campus stehen unglaublich viele Leute, die auf Transparenten zu verstehen geben, dass Ihr Patriotismus mit Krieg nichts am Hut hat. Buttons werden verteilt, überall sieht man hier Leute mit Regenbogen- und Peace-Zeichen-T-Shirts. Diejenigen, die in Ihren Autos vorbei fahren, hupen und zeigen das Victory-Zeichen: Wir werden gewinnen. Was? Den Krieg oder die friedliche Auseinandersetzung mit der Regierung? Oder beides? Auf dem Campus selbst laufen zeitgleich zwei Gedenkfeiern. Auf dem Rasen vor der Bibliothek haben engagierte, patriotische Kriegsgegner tausendachthundertfünfundneunzig Paar Schuhe verteilt, um auf die human costs des Irak-Kriegs aufmerksam zu machen. Auf einem Schild ist diese Zahl mit austauschbaren Zifferntafeln angebracht; jederzeit kann sich hier was ändern. Über Lautsprecher werden die Namen der gefallenen Soldaten verlesen. Auf dem Rasen hinter der Bibliothek wird der Opfer von 9/11 gedacht. Zwei gleichmäßige quadratische Felder sind mit vielen kleinen US-Fahnen abgesteckt. Ein Schild erklärt die Aktion und fordert gleichzeitig dazu auf, für die Soldaten zu spenden, die sich derzeit im Auslandseinsatz befinden.



Bei den US-Open konnten sie sich vor dem Spiel gar nicht entscheiden, wem sie in einer Schweigeminuten gedenken sollten, den Opfern von 9/11 oder denen in New Orleans. Wie gut, dass es Bush schon gestern eingefallen ist, beides in einen rhetorischen Topf zu werfen. Ansonsten ist das hier ein Tag wie jeder andere. Was habe ich erwartet? Immerhin haben die New Orleans Saints mit einem großartigen field goal von der 47 yards-Linie gegen die North Carolina Panthers gewonnen. Damit haben sie die Schmach der Niederlage gegen die Naturgewalt zwar nicht vergessen gemacht, jedoch geschmälert. Der Kommentator sagte es und ich wills ihm mal glauben.
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Dienstag, September 06, 2005

HEUTE ABEND II

09/05/05 Der Ice Cream Truck fährt durch unsere Straße. Man weiß es schon ein paar Minuten vorher. Die Kinder kündigen es an. Sie warten auf der Straße, spielen Baseball oder vergnügen sich mit so einem Hüpfstab, von dem ich nicht genau weiß, wie man ihn eigentlich sonst nennt. Dann hört man's schon von Weitem. Erst "Jingle Bells", dann "O Tannebaum". Ich denke daran, dass ich noch Geschenke besorgen muss. Es ist 30 Grad, gerade habe ich mein Hemd gewechselt, von hellblauem Bürodesign zu schwarzem Euro-Look, drei Knöpfe offen. Ich denke an Jonathan Richman:
Well now, ice cream man, ice cream man upon my street
I heard your truck outside, ice cream man it's really neat
Ice cream man, ice cream man upon my block
Your little chimes, they reel and they rock
Ice cream man, ice cream man ring your bell ding ding
Play the music I've learned to love so well ding ding
Ice cream man, ice cream man ring your chimes ding ding
In the afternoon so fine.
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09/05/05




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Montag, September 05, 2005

HEUTE MORGEN III

09/05/05 Baltimore Sun
Price per gallon drives new behaviors
B. Woodring intended to quit her second job when her graduate classes picked up, she really did. But a sign from above changed her mind. It said: Regular unleaded $2.60.
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Sonntag, September 04, 2005

HEUTE ABEND

09/04/05 Man muss ja nun beim besten Willen nicht alles kommentieren und dokumentieren, was man so am Tag macht. Aber das war jetzt schon seltsam, hier mit meinem Mitbewohner in meinem Zimmer zu sitzen und das Fernsehduell zwischen Schröder und Merkel, oder zwischen den beiden und den um Aufmerksamkeit buhlenden Nachrichten-Experten, per Livestream anzuschauen. Dabei hätte mich das Länderspiel gestern schon sehr viel mehr interessiert. Zumal weder Merkel noch Schröder es geschafft haben, in 90 Minuten ein Tor zu schießen oder auch nur in die Nähe des Strafraums zu kommen. Immerhin - und um uns das mal zu veranschaulichen, sind ja die Statistiker da - bei etwa ausgeglichenem Ballbesitz. Und der Heber von Schröder von knapp hinter der Mittellinie ging nur knapp daneben. ("Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit Herrn Stoiber, wenns um Geld geht.") Gut dass das Schiedsrichtergespann pünktlich abgepfiffen hat, Fouls gab es ja nun wirklich kaum, nur ein paar Nicklichkeiten, nichts Ernstes. Wem man nun bei dieser Meisterschaft die Daumen drücken soll, bleibt schließlich jedem selber überlassen. Dass die Bayern diesmal schon frühzeitig ausgeschieden sind, macht es eigentlich nur schwerer. Viel Spass beim Eintscheiden ... Was meinen amerikanischen Mitbewohner angeht, der hat alles kapiert und kein Wort verstanden: nichts zu verstehen, erhöht eindeutig den Genuss!
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CAMPUS-TALK

09/04/05 das schöne an nachrichten ist ja, dass sie entweder zu früh kommen oder wenns schon zu spät ist. ich habe übrigens gehört, dass yale ja auch gar nicht so schlecht sein soll. wer allerdings wo was anfängt und was damit anzufangen ist, überlasse ich mal diplomatisch dem hopkins-news-channel
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HEUTE MORGEN II

09/04/05 Eigentlich kann man über Fluten ja auch nicht mehr viel sagen: seit Klaus Theweleit, Joachim Witt, Gerhard Schröder und dem Phuket-Hit von Juli. Aber darüber wie die Amerikaner mit ihren Katastrophen umgehen. Auf dem Porch sitzen und in der Baltimore Sun die "Hurricane Katrina:Special Section" lesen. "A kind of third-world misery rarely seen in America". Über die Zustände im eigenen Land war man hier noch nie wirklich informiert. Sonst kaum Text, nur Bilder. Eine 84jährige eingehüllt in eine Decke im Design der Amerikanischen Flagge. Hoffentlich hält sie was sie verspricht: warm!
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Heute morgen

09/04/05 Eigentlich bin ich noch viel gespannter, welche Formen des Schlafens sich hier ergeben werden. Es ist 7.29h!
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Baltimore, you're home to me


09/03/05 Irgendwo abfahren und irgendwo ankommen, wo ich dann in vier Wänden mich einrichte, so sagt man, "mich einrichten", um sich herum die Dinge stapeln, die einem seit einiger Zeit schon anhaften und schwer wiegen, die Bücher, die Textsachen, die Daten, die Photos und statt der CDs und Platten jetzt das iPod, schon längst wieder randvoll (hätte ich doch 40 GB genommen, war doch klar, dass 20 GB nicht ausreichen würden!), all die Sachen, die zu mir gehören, weil sie mir gehören, weil ich sie gekauft habe und weil sie jetzt meins sind, meins meins meins meins! Das cellphone neben mir ist nutzlos geworden, ist jetzt mein Wecker, den ich gerade sowieso nicht brauche, weil der jetlag mich nicht schlafen lässt. Die Freunde sind woanders, also, ein paar sind eben auch hier. Das fällt manchmal schwer, aber die passen sowieso nicht alle ins Zimmer. Und dann schreibt man ein weblog, wo Leude das lesen können, was man woanders macht, wie man so lebt, und vielleicht freut sich jemand über den Ausblick, den ich aus meinem Zimmer habe. Erst seit letzter Woche weiss ich, was das ist: ein weblog. Ekkehard betreibt eins, schon seit ein paar Jahren. Heute morgen las ich über Cambridge (http://jumpcut.antville.org/), letzte Woche drei Tage im Harry Potter Land bedient werden. Ekki schreibt darüber, dass das Gras mehrmals täglich gemäht werden muss. Also kein Tagebuch, sondern Eindrücke, sich selber dazu zwingen, Eindrücke zu sammeln, sonst fliegt alles hier an einem vorbei. Das erste, was man macht, wenn man in den USA ankommt, ist, seine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Der Grund, warum sich Giorgio Agamben weigert, hierher zu reisen und um daraus in der Süddeutschen Profit zu schlagen. Der Grund, warum Ute Frevert Giorgio Agamben nicht mag und beim Einreisen in die USA geweint hat. Auch das in der Süddeutschen. Ich habe nicht geweint, als ich eingereist bin. Ich habe brav meine Zeigefinger auf die Laserplatte gelegt und mich photographieren lassen. Ich habe sogar gelächelt, glaube ich. Um sich einzurichten fährt man auch hier zu IKEA. Weit raus nach White March in die Shopping Mall. Ich habe einen neuen Schreibtischstuhl "Stefano". Am Ende gibts auch hier einen Hot Dog. Doch statt echter Röstzwiebeln gibt es ein farbloses Konzentrat, dass annähernd nach Zwiebeln schmeckt. Auf dem Highway dann zurück: Sonne, 30 Grad und der typische Simpson-Himmel. Jetzt noch ein Bett im Hamacher-Haus abgeholt, das Hamacher-Haus heißt, weil es Werner Hamacher gehört, dessen guter Name an die guten Zeiten von Hopkins mahnt. Zum Bett gehört noch ein boxspring, was sowas ist, wie ein Lattenrost mit Federn. Ich habe den hässlichen Bezug abgerissen und eine ganze Menge Material entfernt, das wohl dazu diente, das Quietschen des Bettes zu verhindern. Dass es ein Single-Bett ist, würde jetzt wohl einige Leude in Konstanz interessieren, die an sowas immer Anteil nehmen. Ich bin gespannt, welche Formen des Schreibens sich hier ergeben werden. Experiment.
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